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James Gunn Interview


James Gunn rettet das Kino-Universum

James Gunn im Interview

Wie überraschend Film-Karrieren explodieren können beweist Multitalent James Gunn, der gerade mit seinem Überraschungshit "Guardians of the Galaxy" den Mainstream-Olymp Hollywoods erklimmt, ohne sich dabei komplett zu verkaufen. Dies liegt nicht nur an der bisher nicht enttäuschenden Politik von MARVEL sich unverbrauchte wie ungewöhnliche Talente zu rekrutieren, sondern auch an James Gunns tief im Genre verwachsenen Filmwurzeln und einer gewissen Punk-Attitüde, die er von seiner Zeit bei TROMA bewahrt hat. Dort war er unter den Fittichen von TROMA-Chef Lloyd Kaufmann (übrigens auch in einem winzigen Cameo in "Guardians of the Galaxy" zu sehen!) unter anderem für die Trashgranate "Tromeo & Juliet" verantwortlich.
Erst im Jahr 2000 gelang Gunn der Durchbruch mit dem Drehbuch zu "The Specials", in dem sich eine skurrile Superheldentruppe zusammenraufen muss, um in der normalen Welt überleben zu können und natürlich das Böse zu bekämpfen. Die thematische Ähnlichkeit zu Gunns späterem "Super" und natürlich "Guardians of the Galaxy" ist dabei nicht zu übersehen.



Für mehr Aufsehen sorgte schließlich 2004 das Drehbuch zu Zack Snyders Remake von "Dawn of the Dead", das durch seine angenehme Eigenständigkeit und gute Aktualisierung des Zombie-Themas begeistern konnte. Mit seiner Alien-Horrorkomödie "Slither" konnte James Gunn schließlich erstmals selbst zeigen, was als Filmemacher in ihm steckt. Dass der Film thematisch so dicht an Fred Dekkers kleinem Klassiker "Die Nacht der Creeps" angesiedelt ist, wurde Gunn, der Dekkers Film bis zur Pressetour von "Slither" nicht kannte, erst später klar.




Das folgende Interview wurde im Juni 2006 zum Kinostart von "Slither" geführt, in dem sich James Gunn schon damals als kecke Wildcard im Studio-Haifischbecken von Hollywood präsentiert.

DVDrome: Erzähl doch mal etwas über deinen Karrierestart bei Troma?!

James Gunn: Klar doch. Da ging ich gerade noch auf die Grad School und brauchte einen Nebenjob. Deshalb ging ich zu Troma und wollte mich für einen Bürojob wie Akten ablegen bewerben. Lloyd Kaufmann hat dann aber rausgefunden, dass ich ein Autor bin und auch einige Performance Geschichten gemacht hatte. Deshalb engagierte er mich lieber für 150 Dollar als Autor für „Tromeo & Juliet“. Und so wurde ich in die Filmindustrie reingezogen. Da hatte alles seinen Ursprung.

DVDrome: Danach hast du dann die „Scooby Doo“-Filme für ein richtig großes Studio geschrieben. Wie konnte den das passieren?

James Gunn: (lacht) Das passierte ja nicht über Nacht. Während ich bei Troma arbeitete, schrieb ich schon meine eigenen Drehbücher. Ich arbeitete tagsüber bei Troma und nachts schrieb ich dann meine eigenen Sachen. Nachdem ich drei- vier Stück davon geschrieben hatte, hatte ich dann endlich eins was wirklich gut war und „The Specials“ hieß. Mit dem ging ich dann hausieren und zeigte es rum. Dieses Drehbuch führte mich schließlich zu einer Menge neuer Arbeit, weil es sich bis L.A. verbreitete – ich lebte damals noch in New York. Das Script bekam viel Aufmerksamkeit und ich schließlich ein paar richtige Hollywood-Jobs. Und diese Jobs führten dann letztendlich zu „Scooby Doo“.

DVDrome: Mit "Dawn of the Dead" und „Slither“ bist du dann ja wieder beim Horror gelandet. Was war denn deine Inspiration dabei?

James Gunn: Da haben mich ganz viele Dinge inspiriert, aber vor allem meine lebenslange Liebe zum Horror-Genre. Viel stammt aber von den blutigen wie komischen Horrorfilmen aus den 80-er Jahren. Filme wie Frank Henenlotters „Basket Case“ oder David Cronenbergs „Die Fliege“, Stuart Gordons „Re-Animator“ sowie „Return of the living Dead“ und „Tremors“. Die Filme beinhalteten einigen Spaß aber auch sehr extreme Elemente, die als Kind sehr geliebt habe und die dem heutigen Horror-Markt einfach fehlen. Ich wollte einen Film mit diesem Spaß machen, aber ihm auch einen neuen Spin geben.

DVDrome: Es gibt in „Slither“ ja sehr viel trockenen Humor. War das schwer, den gleichzeitig mit dem echten Alien-Terror des Films zu verbinden?

James Gunn: Oh nein, denn für mich ist das nur natürlich. Die Sachen die passieren sind ja so lächerlich. Humor und Horror kommen für mich aus derselben Ecke. Die Figuren handeln ja wie echte Leute. Und wenn sie mitansehen müssen, wie sich ein Ehemann in eine schleimige Schneckenkreatur verwandelt, dann ist die Reaktion natürlich komisch. Zur gleichen Zeit haben sie aber auch Angst, weil sie das Wesen versucht zu töten.

DVDrome: Dafür hast du dir ja eine gute Besetzung ausgesucht. Wie hast du Michael Rooker und Nathan Fillion für den Film gewinnen können?

James Gunn: (lacht) Du bietest ihnen den Mindestlohn und dann sind sie schon willig für dich zu arbeiten. (lacht noch lauter). Nein, ehrlich die beiden sind tolle Typen. Rooker war wirklich aufgeregt den Film zu machen, weil er solche lustigen Rollen gar nicht angeboten bekommt, weil er dafür nicht bekannt ist. Und Nathan und ich kamen von Anfang super mit einander klar. Für Nathan war das ja erst die zweite Filmrolle nach „Serenity“. Ich hätte mir gar keine bessere Besetzung wünschen können. Das sind wirklich echt nette Typen. Überhaupt ging die Besetzung nicht nach dem größten Star, sondern danach, wer für die Rolle am besten passte. Mit dem Ergebnis bin ich deshalb weitaus mehr zufrieden, wenn ich mir jetzt den Film anschaue.

DVDrome: War Michael Rooker auf sein extensives Make-Up vorbereitet?

James Gunn: Nein, ich glaube niemand war darauf vorbereitet, wie schwierig das werden würde. Es war sehr schmerzhaft für ihn. Trotzdem kamen wir gut klar, denn er nahm meine Regiearbeit gut an. Aber ich bin ein empfindsamer Typ und deshalb tat er mir sehr leid, weil er während eines Großteil der Dreharbeiten wirklich zu leiden hatte.

DVDrome: Eine offensichtliche Inspiration für die Gestaltung war anscheinend John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Interessanterweise greifst du aber auch auf das „kollektive Bewusstsein“ der Aliens zurück, was Carpenter nicht mehr in seinem Film verarbeitet hatte.

James Gunn: Das stimmt. Aber das „kollektive Bewusstsein“ habe ich aus dem Hinduismus. Das wir Menschen eigentlich ein kollektives Bewusstsein haben und in Wirklichkeit ein einzelnes Wesen sind. Da kam die Inspiration dafür her.

DVDrome: Gab es einige Ideen und Konzepte, die wegen Zeit- oder Geldmangels nicht realisiert wurden?

James Gunn: Na klar. Du siehst zum Beispiel unseren armseligen Hirschangriff in der Polizeistation. Das war ursprünglich ein riesiges Set-Piece. Und das wurde immer weiter eingedampft. Grund Nr. 1 war natürlich das Geld, weil wir’s uns nicht leisten konnten und zweitens wegen der Zeit. Dummerweise haben wir zu viel Zeit mit der lustigen Szene verschwendet, in der Jack Macready über die Lime-Desease spricht. Das ist natürlich eine tolle Szene, aber weil wir dafür so viel Zeit geopfert haben blieb uns nicht mehr soviel für unsere arme alte Hirschszene. Das ist wirklich hinten über gefallen und nicht mein liebster Moment im Film. Wir hatten auch noch einige andere Szenen, in denen wir zeigten, dass sich die Seuche auch in anderen Formen zeigt. Da siehst du, dass die Verseuchten unterschiedliche Fähigkeiten entwickeln, um die Energie des Planeten anzuzapfen und mehr zu töten. Jeder hat dabei eine unterschiedliche Aufgabe und sie werden mit der Zeit zu immer ekligeren Monstern. Sie werden zu einem großen bio-organischem System. Da wurde es aber zu kompliziert und zu teuer. Deswegen habe ich das aus dem Skript geworfen. Die Make-Up Effekte wären zu heftig geworden, um sie auf so viele Statisten aufzutragen.

DVDrome: Aber es gibt ja immer noch die Chance auf eine Fortsetzung…

James Gunn: Ja klar (lacht).

DVDrome: Mussten Szenen wegen der Zensur geschnitten werden und wird es zusätzliche Szenen auf einer zukünftigen DVD geben?

James Gunn: Oh ja. Wir haben eine Tonne an geschnittenen Szenen. Ich weiß zwar nicht, wie das in Deutschland aussieht, aber in den USA mussten wir nichts wegen der Zensur schneiden. Wir hatten Glück, dass wir direkt nach „Hostel“ von meinem guten Freund Eli Roth geprüft wurden. Da waren sie sich wohl immer noch nicht ganz einig. Und bei „Slither“ gibt es noch so eine Gutmütigkeit und Over-The-Top-Qualität, die die MPAA auch wohl gut aufgenommen hat. Deshalb sind wir wohl besser als „Hostel“ weggekommen.

DVDrome: Wie siehst du denn die Wiedergeburt des Horror-Genres in den Kinos?

James Gunn: Weißt du, die Wahrheit ist, dass Horror schon immer ein schlafender Riese gewesen ist. Vor sechs, sieben Jahren sind Filme wie „Jeepers Creepers“ und „Final Destination“ mit wirklich großen Zahlen gestartet. Bloß Hollywood hat das nicht wahrgenommen. Aber jetzt ist es eben aufgefallen und deshalb machen die Leute sehr viel mehr Horrorfilme, was aber nicht unbedingt eine gute Sache ist. Es gibt einige wirklich gute Horrorfilmer da draußen, die wirklich Glück hatten und mit Horrorfilmen aufgewachsen sind. Aber es kommen auch genug Horrorfilme raus, die von Leuten gemacht werden, die sich normalerweise einen Dreck darum scheren würden. Und diese Filme hätte ich lieber nicht.

DVDrome: Was machst du als nächstes und hast du in Zukunft auch mal vor, eine „Masters of Horror“-Episode zu filmen?

James Gunn: (lacht) Oh Mann ich weiß nicht, ob ich eine „Masters of Horror“-Episode mache. Aber es gibt ein neues Projekt, an dem ich arbeite. Es ist ein anderer Horrorfilm, der sich mit dem Bösen beschäftigt. Es handelt sich in einer Art um Satan. Es wird anders als „Slither“ obwohl ich denke, dass es auch die imaginative Qualität von „Slither“ hat. Aber es ist ein wesentlich dunklerer Film und es hält mich jede Nacht wach.

Kay Pinno 10.01.2015 (Original-Interview von 06.2006)


"Guardians of the Galaxy" Bonus-Clip Footage

Ihr habt euch die ganze Zeit gefragt, was passiert wäre, wenn im Finale von "Guardians of the Galaxy" der finstere Alien-Fürst Ronan The Accuser auf den Dance-Battle von Starlord eingegangen wäre?
Die erstaunliche Antwort findet ihr im folgenden Clip zu einer nicht verwendeten alternativen Szene aus "Guardians of the Galaxy":




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