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The Woman   

The Woman
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Original: The Woman   (USA, 2011)
Laufzeit: 99 Min. (PAL)
Studio: Capelight
Regie: Lucky McKee
Darsteller: Pollyanna McIntosh, Angela Bettis, Sean Bridgers u.a.
Format: 1.77:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, geschnittene Szenen, Kurzfilm u.m.
Preis: ca. 17 €
Wertung: 2 / 2 / 3+ (Bild/Ton/Extras)


"Das Tier im Weibe"

Regisseur Lucky McKee hat sich bereits mit seinen Filmen "May", "The Woods" und seiner "Master of Horror" Episode "Sick Girl" als feministischer Horrorfilmer mit einem Fetisch für lesbische Tendenzen geoutet. Nicht nur mit dem Titel "The Woman" zelebriert McKee nun eine vollendete Form des Körperhorrors in Verbindung mit klassischen Torture-Porn Motiven, um eine ganz eigene Abrechnung mit offensichtlicher Unterdrückung und repressiven Tendenzen in Gesellschaft und Familie gegen den Korpus Frau abzufeiern.
Als der biedere Land-Anwalt Chris Cleek (Sean Bridgers) auf der Jagd einem verwahrlosten und anscheinend in der Wildnis aufgewachsenem Mädchen (Pollyanna McIntosh) begegnet, ist zugleich fasziniert, erregt und entsetzt. Doch in seinem Hirn entwickelt sich ein kranker Plan: er will das Mädchen einfangen und domestizieren. Dafür lässt er seine Familie den heimischen Rübenkeller ausräumen und beginnt zu basteln, um den Wildfang in Ketten zu legen.
Allein bis hierher bleibt einem der Mund beim offensichtlichen Wahnsinn stehen, der natürlich nur in einer Katastrophe gipfeln kann. Doch damit nicht genug: bereits zu Beginn ahnt man schon, dass irgendetwas mit dieser Familie Cleek nicht stimmen kann. Ganz langsam enthüllt McKee, der gemeinsam mit Jack Ketchum auch für das Drehbuch verantwortlich ist, immer mehr Unglaublichkeiten, die sich im Familienkreis zutragen und mit einer konsequenten Beiläufigkeit dem Zuschauer vor den Latz geknallt werden. Das "The Woman" trotz seiner pamphletigen Geschlechter-Darstellung nicht zu einem kümmerlichen Feminismuis-Statement wie McKees "Sick Girl" verkommt, liegt an dem großartig komprisslosen Rundumschlag, der im Finale unter fleißigem Gewalteinsatz wie eine weibliche Naturgewalt über die Protagonisten hereinbricht. Gender-Studies Anhänger werden mit "The Woman" sicher noch auf Jahre hinaus Spaß haben, vor allem weil McKees Petrie-Schale der weiblichen Repression eigentlich nicht verallgemeinert, sondern in ein bestimmtes soziales Umfeld gesetzt wird, in dem latent bis offentsichtlich unterdrückende Mechanismen schnell Fuß fassen und stillschweigend Akzeptanz erfahren.
Dazu kommt die Erkenntnis, dass solche Unrechtssysteme immer auf die Elterngeneration zurückgeführt werden kann, die notfalls auch mit rabiater Gewalt durchbrochen werden müssen.
"The Woman" bietet eine Menge sozialen Sprengstoffs, der aber wie der gesamte Film nur auf einer konzeptionellen Ebene funktioniert. Auf der Oberfläche und als narrativer Horrfilm bleibt von "The Woman" einfach nichts übrig, was einen wirklich fesseln könnte. Wer sich aber auf die metaphorische Spielwiese des Films einlässt, wird unumstritten mit einem Meisterwerk des intellektuellen Horrors belohnt, der sich zudem durch einen brillanten wie einzigartigen Look und einen völlig abgefahrenen Soundtrack angenehm von üblicher Dutzendware abhebt.

BILD

The Woman

Der anamorphe Bildtransfer basiert einer sehr guten Vorlage, die keinerlei analoge Rückstände aufweist. Schärfe und Kontrast sind sehr gut, wenngleich es in einigen Szenen zu leichter Treppchenbiildung an Konturen kommt. Die Farben sind kräftig, aber trotzdem ausreichnend natürlich ohne künstlich zu überscheinen. Der Schwarzlevel ist ordentlich tief und ohne Einbußen im Detail. Die Kompression bleibt durchweg sauber und hält das Bild stabil. Gut.

TON

The Woman

Der DD5.1 Track bringt für die spärlichen Soundeffekte ein gut verteiltes Ambiente zustande, das auch die kleinen Momente gut in in der Soundstage verteilt. Am meisten profitiert jedoch der ungewöhnliche Soundtrack des Films der konsequent und groß eingesetzt wird. Stimmmungsvoll krachen die Rock-Stücke aus allen Kanälen der Soundstage und nehmen korrekt einen großen Platz ein. Die Dialoge sitzen suaber und sicher im Centerkanal. Störende Überlappungen oder Aussetzer konnten nicht festgestellt werden. Gut.

EXTRAS

Neben dem Trailer und ein paar verlängerten Szenen, die tatsächlich auch die lesbische Anspielung der Lehrerin bestätigt, gibt es ein 25-minütiges "Making of" zu sehen, dass tatsächlich keine klassische PR-Vorstellung ist. Lucky McKee und seine Kohorten geben einen gelungenen Einblick in die wundervolle Entstehung von "The Woman", bei der On-Lacotion gedreht und das Studio kurzerhand "Evil Dead II"-Style in eine Turnhalle der örtliche Highschool verlegt wurde. Dass ein solcher Dreh auch für die Kinder in der Besetzung ein Mordsspaß ist, beweisen die Aufnahmen, bei denen Hauptdarstellerin Pollyanna McIntosh nach erfolgreichem Schrecken mit ihren kleinen Co-Stars herumalbert.
Zu gern hätte man natürlich auch einen Audiokommentar von McKee über sein feministisches Monster "The Woman" gehört, aber ein solcher ist nicht vorhanden.

FAZIT

Mit "The Woman" feuert Regisseur Lucky McKee eine volle Breitseite aus seinem feministischen Kanon kurioser Genreware auf den Zuschauer ab: mittels nackter(!) Gewalt serviert er einen gezielten Streich in die Weichteile des typischen Geschlechterkampfs ist. Schamlos unsubtil (zer)legt er eine gesellschaftliche Norm akzeptierter maskuliner Unterdrückung und pervertierter Frauenwahrnehmung, ohne die Damen der Schöpfung dabei außen vor zu lassen. Die Scheibe von Capelight ist zudem ungeschnitten, mit guter Bild- und Tonqualität gesegnet sowie einem richtigen "Making of". Dieser oftmals allzu real wirkende Horror ist eine echte Empfehlung, der wohlverdiente intelligente Abwechslung ins Genre bringt.



Kay Pinno


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